Hurra, das neue Flachdach ist fertig!
Der Verein Grünwerk feiert im Jahr 2020 sein zwanzigjähriges Bestehen. Zum Jubiläum am 4. Juli sollte ein naturschützerisches Projekt auf dem Aspasia Areal lanciert werden. Was aber würde sich eignen? Unser Auge fiel auf das Flachdach des Garagentrakts gegenüber des Gebäudes Rosenstrasse 9. Die 210 m2 grosse Fläche war mit einer dicken Schicht Moos und einem Sedum-Polster bewachsen. Dieses Dach wollten wir in einen vielfältigen Lebensraum für bedrohte Wildbienen verwandeln!
Es musste dazu ein neues Substrat eingebaut werden; gleichzeitig konnte die in die Jahre gekommene Abdichtung erneuert werden. Nach einer kurzen Absprache zwischen Babis Pagomenos (Bedachungen Isler & Kägi, ebenfalls Mieter auf dem Aspasia-Areal) und Roland Kernen (Verein Grünwerk) wurde ein Konzept erstellt und die Idee der Geschäftsleitung der Aspasia AG vorgelegt. Thomas Fries war auf Anhieb begeistert und sagte, nachdem die zu erwartenden Kosten errechnet waren, prompt zu. Wegen der unerwarteten Corona-Krise verzögerte sich der Projektstart, aber dann fiel am 5. Mai der definitive Startschuss.
Der Verein Grünwerk räumte mit seinen Zivildienstleistenden das Dach komplett ab und entsorgte die verschiedenen Materialien korrekt. Die Isler & Kägi Bedachungen AG dichtete im Anschluss das Dach neu ab, womit der schönste Teil, der Neuaufbau und die Ausgestaltung des Daches, angegangen werden konnten. Zuerst wurde mit Rundkies ein Schutzstreifen entlang der Dachkante angelegt, um diesen vor dem Einwachsen der Vegetation zu schützen. In der Mitte des Daches wurde ebenfalls mit Rundkies ein Sickerstreifen (Entwässerungsrinne) erstellt, damit das Dachwasser bei starkem Regen zügig abfliessen kann. Danach wurde das Dachsubstrat eingebaut. Dieses Substrat ist auf Blähton- und Lavabimsbasis und dadurch extrem leicht und ermöglicht so eine höhere Schichtdicke ohne das Dach kritisch zu belasten, was sich positiv auf die zu erwartende Artenzahl auswirken wird. Beim Einbau wurde darauf geachtet, dass verschiedene Substrathöhen angelegt werden. In Bereichen mit niedriger Substratschicht können nur absolute Hungerkünstler überleben, wohingegen in Bereichen mit höheren Substratschichten auch Pflanzen gedeihen, die keine längeren Trockenperioden ertragen.
Die unterschiedliche Höhe der Substratschicht erhöht so die Pflanzenvielfalt auf dem Dach. In einem nächsten Schritt wurden diverse Strukturelemente angelegt: In einem kleinen Teichleich mit Solarpumpen-Umwälzung können die Insekten und Vögel auf dem ansonsten staubtrockenen Dach baden und trinken. Drei Stein- bzw. Sandhaufen dienen Kleintieren als Unterschlupf und üben wiederum Einfluss auf das Mikroklima in deren direkten Umgebung aus. Es gibt Sandlinsen für im Boden brütende Solitärbienen und andere Insekten sowie Totholzhaufen, welche diversen Insekten als Eiablageplatz und Unterschlupf dienen.
Zu guter Letzt wurde eine Dachgarten-Saatmischung angesät, welche 55 einheimische und standortgerechte Blütepflanzen sowie fünf Grasarten beinhaltet.
Nun sind wir alle gespannt, was sich auf dem Dach in naher Zukunft alles entwickelt. Erste Wildbienen, Schmetterlinge und Vögel waren schon mal vor Ort, um die Bedingungen auszukundschaften und um einen Schluck Wasser oder ein Bad im Teich zu nehmen.
Herkunft des Materials:
- Dachsubstrat: Ricoter AG Frauenfeld
- Bollensteine und Kies: Toggenburger AG, Seen - Sand: Aushub einer Baustelle in Hettlingen
- Totholz: Aus einem alten Eichenwald in Kleinandelfingen
Roland Kernen




